Weitere Verfahren

In der Leitlinie Prostatakrebs werden auch noch weitere Verfahren zur Therapie der Erkrankung benannt und vorgestellt, die jedoch in der Regel zur Zeit nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Dazu zählen:

Hyperthermie
Bei der Hyperthermie (Hitzebehandlung) werden die Krebszellen einer Erwärmung von über 42° C ausgesetzt. Dadurch sollen die Krebszellen geschwächt oder abgetötet werden. Derzeit gibt es aber keine ausreichend gesicherten Nachweise für die Wirksamkeit dieses Verfahrens. Es wird in der ärztlichen Leitlinie daher nicht empfohlen.

Kryotherapie
Im Gegensatz zur Hyperthermie arbeitet die Kryotherapie mit dem gezielten Einsatz von Kälte, um die Krebszellen zu zerstören. Es gibt auch hier keine ausreichend gesicherten wissenschaftlichen Nachweise für die Wirksamkeit der Kryotherapie bei Prostatakrebs. Sie wird deshalb nicht empfohlen.

HIFU
HIFU ist die Abkürzung für Hochintensiver fokussierter Ultraschall. Dabei werden sehr stark konzentrierte Ultraschallwellen gezielt auf die gesamte Prostata gelenkt (Ganzdrüsenbehandlung) mit dem Ziel, durch die entstehende Wärme die Krebszellen zu zerstören. Auch für die Wirksamkeit von HIFU beim lokal begrenztem Prostatakrebs gibt es bislang keine ausreichend gesicherten wissenschaftlichen Nachweise. Die Expertengruppe sieht HIFU nach den vorliegenden Daten als experimentelles Verfahren an. HIFU soll daher nur im Rahmen hochwertiger Studien zum Einsatz kommen.

Fokale Therapien
Es gibt auch die Möglichkeit, mit verschiedenen Verfahren gezielt nur das Krebsgewebe in der Prostata zu entfernen oder zu zerstören. Die Prostata bleibt dabei erhalten. Fachleute sprechen von sogenannten fokalen Therapien. Dazu gehören die fokale HIFU-Behandlung, die fokale irreversible Elektroporation (IRE), die fokale Brachytherapie oder die vaskuläre photodynamische Therapie (VPT). Bislang liegen keine ausreichend guten Daten vor, um den Nutzen und das Risiko solcher Verfahren zu beurteilen. Die vorhandenen Studien haben erhebliche Mängel und lassen keine sicheren Aussagen zu. Die Expertengruppe beurteilt fokale Therapien deswegen als hochexperimentelle Verfahren, die nur im Rahmen hochwertiger Studien zum Einsatz kommen sollen.

Wichtiger Hinweis
Die Kosten für Kryotherapie und Hyperthermie werden von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen, für HIFU nur im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes.



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

(57) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Prostatakrebs I – Lokal begrenztes Prostatakarzinom. Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zur S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Informationen für Männer. Berlin, 2018.

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