Prävention bei Prostatakrebs

Warum Prostatakrebs entsteht, darüber herrscht laut Experten noch weitgehend Ungewissheit. Entgegen früheren Annahmen hat der Testosteron Spiegel im Blut keinen Einfluss auf das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Ist ein Mann jedoch an Prostatakrebs erkrankt, so ist das Hormon Testosteron bei bestimmten Blutspiegelwerten jedoch eher schädlich. Ihr Arzt kann Ihnen hierzu weitere Informationen zur Verfügung zu stellen.

Untersuchungen haben zuletzt darauf hingewiesen, dass es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen Entzündungsprozessen im Körper und einer Prostatakrebs-Erkrankung bestehen könnte. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Gene identifiziert, die sowohl bei Entzündungsprozessen als auch bei Prostatakrebs vermehrt aktiviert werden.

Unabhängig davon können Sie mit einer gesunden Lebensweise vielen Erkrankungen vorbeugen, auch eine Krebserkrankung. Die amerikanische Krebsgesellschaft hat eine „Leitlinie für Ernährung und Bewegung zur Krebsprävention“ herausgegeben, auf die sich auch die Experten der deutschen Leitlinie beziehen. Die dort empfohlenen Maßnahmen beugen nicht speziell Prostatakrebs vor, sondern möglicherweise Krebs allgemein. Es gibt also z. B. auch keine Diät gegen Prostatakrebs. Und ob eine Änderung des Lebensstils davor schützt, wurde in aussagekräftigen Studien bislang nicht untersucht.

Auf Basis vorhandener Daten können die Experten interessierten Männern im Rahmen der Vorsorge deshalb aktuell empfehlen:

So haben neuere Forschungsergebnisse laut Deutscher Krebshilfe gezeigt, dass die Ernährung, das Körpergewicht und die regelmäßige körperliche Bewegung bei der Vorbeugung (Prävention) von Prostatakrebs eine wesentliche Rolle spielen. Männer sollten bei ihrer Ernährung deshalb besonderen Wert auf eine gesunde Kost mit viel Obst und Gemüse und wenig tierischen Fetten aus Fleisch und Wurst legen. In diesem Zusammenhang verweist die Deutsche Krebsgesellschaft darauf, dass in Regionen mit sojareicher Ernährung hormonabhängige Tumoren wie Prostatakrebs seltener vorkommen. Das wird auf den hohen Anteil sogenannter Isoflavone in Sojaprodukten zurückgeführt. Auch dem roten Farbstoff Lycopin (v.a. in Tomaten, Wassermelonen und Erdbeeren) sowie einer Ernährung mit viel Fisch oder Olivenöl wird eine vorbeugende Wirkung zugeschrieben. Diesbezügliche Studiendaten zum Prostatakrebs sind allerdings noch nicht eindeutig. Ergänzend wird auch mit Gemüse- und Gewürzpflanzen, die zu den Kreuzblütengewächsen zählen (diverse Kohlsorten, Radieschen, Steckrüben, Rettich, Kresse, Senf, Raps u. a.), ein geringer, aber nachgewiesener vorbeugender Effekt gegen Prostatakrebs assoziiert. Zurückgeführt wird dies auf die enthaltenen Senföle, die die Teilung von Tumorzellen hemmen.

Weitere Hinweise und Informationen über Möglichkeiten der Krebsprävention durch gesunde Ernährung oder Bewegung enthalten die Broschüren „Gesunden Appetit! – Vielseitig essen – Gesund leben“ bzw. „Schritt für Schritt – Mehr Bewegung – Weniger Krebsrisiko“ der Deutschen Krebshilfe.

Die Leitlinie Prostatakrebs weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die meisten Menschen theoretisch wüssten, dass ein ausgewogener Lebensstil gesund halten kann. Änderungen am eigenen Lebensstil nachhaltig umzusetzen fällt jedoch nicht jedem leicht. Wir Menschen sind einfach unterschiedlich veranlagt. Nicht jeder ist gleich konsequent, nicht jeder erreicht auch im ersten Anlauf die sich selbst oder vom Arzt gesteckten Ziele. Vor diesem Hintergrund leiden manche Menschen auch darunter, dass sie es trotz vieler Versuche nicht schaffen, abzunehmen, sich mehr zu bewegen oder weniger zu trinken. Dabei gilt auch bei der Prävention: Die Entscheidung dafür oder dagegen hängt auch von Ihrer persönlichen Situation, Ihren Lebensumständen und Wertvorstellungen ab.

Achtung: Nahrungsergänzungsmittel wie Selen oder verschiedene Vitamine schützen nicht vor Prostatakrebs, wie aktuelle Studien ergeben haben. Sie sollten deshalb nicht vorbeugend eingesetzt werden. Bei der Einnahme von Folsäure fanden sich sogar Hinweise auf eine leichte Erhöhung des Krebsrisikos.

Prostatakrebs kann auch erblich sein

Genveränderungen auf dem ersten Chromosom können das Auftreten der Krankheit begünstigen. Laut Leitlinie Prostatakrebs haben Männer, deren nahe Familienmitglieder Prostatakrebs haben oder hatten, ein mehr als zweifach erhöhtes Risiko an Prostatakrebs zu erkranken. Das trifft vor allem für die „erstgradigen“ Verwandten zu, also Väter und Brüder. Als "Faustregel" gilt: Je mehr Familienmitglieder erkrankt sind und je jünger sie zum Zeitpunkt der Erkrankung waren, desto höher ist Ihr persönliches Krebsrisiko. „Zweifach erhöhtes Risiko“ heißt aber nicht, dass Sie zwangsläufig erkranken: Entwickelt bei normalem Risiko ein Mann von 16 im Alter von 65 in den nächsten zehn Jahren Prostatakrebs, so sind es bei zweifach erhöhtem Risiko zwei Männer von 16.

Die Krebshilfe rät Männern zusätzlich dazu zu überlegen, ob auch weibliche Vorfahren wiederholt an Brustkrebs erkrankt sind. Dann würde für Sie als männlicher Nachfahre das Prostatakrebs-Risiko ebenfalls ansteigen. Aber, nur ein relativ kleiner Teil aller Prostatakarzinome tritt familiär gehäuft auf.



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenzen:
(7) Deutsche Krebsgesellschaft: Basisinformationen Krebs. Prostatakrebs - Vorbeugung. Online unter: https://krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/prostatakrebs/vorbeugung.html. Berlin. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(8) Deutsche Krebshilfe: Prostatakrebs. Die blauen Ratgeber Nr. 17. Bonn, 2016.
(9) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Früherkennung von Prostatakrebs. Informationen für Männer. Berlin, Stand: Juli 2015.
(10) Krebsinformationsdienst des dkfz: Prostatakrebs - Risikofaktoren und Vorbeugung. Online unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/risikofaktoren.php. Heidelberg. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(11) Sächsische Krebsgesellschaft e.V.: Beratungsmaterial Prostatakrebs für Onkolotsen (Betroffene). Zwickau, 2011.

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