Therapie des Prostatakrebses

Auch beim Prostatakrebs gilt: Je eher der Tumor erkannt wird, umso besser ist es. Dank medizinischer Entwicklungen stehen heute geeignete Therapieverfahren mit guten Heilungschancen bei Prostatakrebs zur Verfügung. Die Entscheidung für eine bestimmte Behandlungsmethode ist dabei von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • das Krankheitsstadium,
  • die lokale Ausdehnung des Tumors,
  • der PSA-Wert,
  • der Gleason Score,
  • die Größe der Prostata,
  • einseitiger oder beidseitiger Befall der Prostata,
  • das biologische Alter und die Lebenserwartung des Patienten,
  • der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten und
  • die persönliche Einstellung (z.B. in Bezug auf Lebensqualität).

Nicht jede Behandlungsmethode ist auch bei jedem Patienten anwendbar. Experten empfehlen deshalb, dass Sie sich ausführlich von Ihrem Urologen beraten und auch Alternativen aufzeigen lassen. In frühen Krankheitsstadien ist eine Heilung fast immer möglich.

Behandlungsmöglichkeiten beim organbegrenzten Prostatakrebs

Hat der Krebs die Prostata noch nicht überschritten (organbegrenzter Prostatakrebs), ist die Heilungschance am besten. Die gängigsten Behandlungsmethoden beim organbegrenzten Prostatakrebs sind die Operation und die Bestrahlung des Tumors.

A) Operation (radikale Prostatektomie = vollständige operative Entfernung der Prostata mit den Samenbläschen)

  • perineal (vom Damm her)
  • retropubisch (durch Bauchschnitt)
  • klassisch laparoskopisch/endoskopisch (minimal-invasiv) oder roboterassistiert

B) Strahlentherapie (Radiotherapie):

  • Perkutane Strahlentherapie (externe Bestrahlung)
  • Brachytherapie (interne Bestrahlung)

C) Überwachung (Active Surveillance und Watchful Waiting)

Bei aggressiven Tumoren im Frühstadium (hohes PSA, hoher Gleason Score) kann zusätzlich nach der Operation oder der Radiotherapie eine Antihormontherapie erwogen werden. In bestimmten Fällen kann nach der Diagnose vorerst auf eine Therapie verzichtet werden, wobei Kontrolluntersuchungen in regelmäßigen Abständen unerlässlich sind (aktives Überwachen).

Behandlungsmöglichkeiten beim fortgeschrittenen Prostatakrebs

(D) Hormontherapie
(E) Behandlung des hormonresistenten Prostatakrebses
(F) Chemotherapie

Hat der Tumor bereits Metastasen in anderen Organen gebildet, lässt sich die Erkrankung nicht mehr heilen. Da das Prostatakarzinom hormonabhängig wächst, ist die Therapie der Wahl eine antihormonelle Therapie. Dabei wird entweder das testosteronbildende Gewebe der Hoden durch einen kleinen Eingriff entfernt oder es wird mit Medikamenten die Testosteronproduktion gehemmt.

Im Falle eines hormonunabhängigen Tumorwachstums kann auch eine Chemotherapie eingesetzt werden. Zur Linderung von Schmerzen, die vor allen durch Knochenmetastasen entstehen, können verschiedene Medikamente oder auch eine gezielte Bestrahlung eingesetzt werden. Unbehandelte Schmerzen schwächen einen Menschen unnötig und sind kräfteraubend. Schmerzen bei Krebs können immer gelindert und in vielen Fällen ganz behoben werden, sei es durch Medikamente, sei es durch andere Maßnahmen wie Bestrahlung oder Operation.

Verschiedene Medikamente können einerseits die Knochen stärken, anderseits Schmerzen lindern, die durch Metastasen verursacht werden. Diese Medikamente sollten frühzeitig verabreicht werden, bevor Komplikationen wie starke Schmerzen oder auch metastasenbedingte Knochenbrüche auftreten.

Auch wenn sich die Erkrankung nicht mehr heilen lässt, kann der Verlauf heute aber durch eine entsprechende Therapie über längere Zeit verlangsamt und auftretende Beschwerden gelindert werden. Das Fortschreiten der Krankheit kann mit verschiedenen medizinischen Therapien verzögert werden, wobei auf eine möglichst gute Lebensqualität im Vordergrund der Überlegungen steht. Es stehen eine Reihe medizinischer, pflegerischer, psychologischer und auch seelsorgerischer Maßnahmen zu Verfügung, um Beschwerden wie Schmerzen oder Ängste zu lindern. In manchen Fällen ist es möglich, die Krankheit über Jahre und selbst über Jahrzehnte, in Abhängigkeit vom Tumortyp, im Zaum zu halten.

 



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenzen:
(40) Deutsche Krebshilfe: Prostatakrebs. Die blauen Ratgeber Nr. 17. Bonn, 2016.
(41) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Früherkennung von Prostatakrebs. Informationen für Männer. Berlin, Stand: Juli 2015.
(42) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 5.1 – Mai 2019.
(43) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Prostatakrebs I – Lokal begrenztes Prostatakarzinom. Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zur S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Informationen für Männer. Berlin, 2018.
(44) Dr. med. Baaske, Dieter, Prof. Dr. med. Fahlenkamp, Dirk, Dr. phil. Holze, Sigrun, Dipl.Psych. Gansera, Lutz & Prof. Dr. med. habil. Stolzenburg, Jens-Uwe. Prostatakrebs (Grün-Gelbe Reihe der SKG, Nr. 10, überarbeitete Auflage). Zwickau, 2019.

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