Operation (radikale Prostatektomie)

Die sicherste Behandlungsmethode bei vielen Krebsarten ist grundsätzlich, das bösartige Gewebe möglichst ganz zu beseitigen. Beim Prostatakrebs heißt das, die tumorbefallene Prostata samt Kapsel und Samenblasen vollständig zu entfernen. Diese Operation gehört zu den häufigsten tumorchirurgischen Eingriffen in der Urologie. Es gibt mehrere Wege, diese Operation durchzuführen. Sie unterscheiden sich insbesondere durch den Zugangsweg zur Prostata: über einen kleinen Bauchschnitt (retropubisch), vom Damm her (perineal) oder durch Bauchspiegelung (laparoskopisch). Die Wahl der Methode ist vor allem von der Spezialisierung der Klinik abhängig. Zunehmende Bedeutung gewinnt der Einsatz von Operations- Robotern. Anwendbarkeit und Vorgehensweise sind daher direkt mit dem behandelnden Arzt abzusprechen.

Der chirurgische Eingriff erfolgt stets unter Narkose. Nach Entfernung der Prostata wird die Harnblase wieder mit der Harnröhre vernäht. Zur Schienung der Nahtstelle wird während der Operation ein Harnröhrenkatheter gelegt. Dieser wird wenige Tage nach der Operation wieder entfernt. Bei den OP-Verfahren wird eine nerv- und somit potenzerhaltende Operation angestrebt. Im Labor wird später die entnommene Prostata untersucht. Erst unter dem Mikroskop kann genau beurteilt werden, wie weit der Krebs fortgeschritten ist. In einigen Fällen wird zur Sicherheit eine Nachbestrahlung empfohlen. So sollen eventuell im Körper verbliebene kleinste Tumorreste vernichtet werden. Zudem kann eine Hormontherapie erfolgen. Als besonders effektiv gilt die Kombination von Hormontherapie und Bestrahlung. Die Bestrahlung wird erst einige Wochen nach der Operation begonnen. Je nach OP-Methode beträgt der Klinikaufenthalt in der Regel 4 bis 10 Tage. Die anschließende Genesung (Rekonvaleszenz) wird maßgeblich durch die körperliche Aktivität beeinflusst und beträgt 2 Wochen bis 5 Monate.

Perineale radikale Prostatektomie

Der Patient liegt während der Operation auf dem Rücken. Dabei werden die Knie angewinkelt und die Unterschenkel auf Stützen gelagert. Nach Hautdesinfektion wird die Prostata samt Kapsel und Samenblasen durch einen Schnitt vom Damm her (Bereich zwischen Hodensack und Anus) chirurgisch entfernt. Da die Beckenlymphknoten bei dieser Methode nicht sicher entfernt werden können, ist die Methode nur für Stadien sinnvoll, bei der die Entnahme der Lymphknoten nicht nötig ist. Alternativ kann, wenn sich nach der Operation ein höhergradiger Prostatakrebs ergibt, eine laparoskopische Lymphknotenentnahme - ein verhältnismäßig kleiner Eingriff - erfolgen.

Retropubische radikale Prostatektomie

Hierbei handelt es sich um die klassische Operationsmethode. Während des Eingriffes liegt der Patient mit gespreizten Beinen auf dem Rücken. Über einen Bauchschnitt zwischen Bauchnabel und Schambein wird die Prostata samt Kapsel und Samenblase entfernt.

Laparoskopische radikale Prostatektomie

Bei der Laparoskopischen Radikalen Prostatektomie (LRP) handelt es sich um ein so genanntes minimal-invasives (schonendes) Verfahren. Die Endoskopisch Extraperitoneale Radikale Prostatektomie (EERPE) ist eine Modifikation dieser Technik und etablierte sich als ein besonders gewebeschonendes Verfahren zur Behandlung des organbegrenzten Prostatakrebses. Sie wurde an der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig entwickelt. Über den Nabelbereich wird ein kleiner Kamerazugang geschaffen. Unter nun optischer Kontrolle kann der Operateur über einen Monitor das OP-Feld vergrößert einsehen. Mittels eines aufblasbaren Ballons wird das Bauchfell etwas nach unten gedrückt, wodurch ein Hohlraum entsteht. Über fünf Öffnungen (Trokare) werden mikrochirurgische Instrumente in das Operationsgebiet eingeführt und die Prostata samt Kapsel und Samenblasen entfernt. Mittlerweile wird die laparoskopische radikale Prostatektomie an vielen Kliniken häufig roboterassistiert durchgeführt. Hierbei sitzt der Operateur an einer Konsole und bedient die Roboterarme, die dann die Operation ausführen.

Folgewirkungen der radikalen Prostatektomie

Unmittelbar an der Prostata liegen Nerven, welche für die Erektion (Versteifung des Penis) nötig sind. Der Urologe versucht in Abhängigkeit der Vorbefunde diese Nerven zu erhalten (nervschonende Operation). Hat der Krebs jedoch bereits die Nerven erreicht, so müssen diese ebenfalls entfernt werden. Die Erektion kann damit ganz oder teilweise eingeschränkt sein. Zudem kann es nach der Operation in seltenen Fällen zu unkontrolliertem Harnverlust (Inkontinenz) kommen (siehe Abschnitt „Begleit- und Folgeerscheinungen“).



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenz:
(45) Dr. med. Baaske, Dieter, Prof. Dr. med. Fahlenkamp, Dirk, Dr. phil. Holze, Sigrun, Dipl.Psych. Gansera, Lutz & Prof. Dr. med. habil. Stolzenburg, Jens-Uwe. Prostatakrebs (Grün-Gelbe Reihe der SKG, Nr. 10, überarbeitete Auflage). Zwickau, 2019.

Fotonachweis:
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