Die Tumor-Klassifikation beim Darmkrebs

Für die Beschreibung der Darmkrebs Tumoren benutzen Mediziner zwei Klassifikationen, die international gültig sind und von allen Ärztinnen und Ärzten verstanden werden. Das sind die TNM-Klassifikation und die UICC-Klassifikation. Darüber hinaus beurteilt der Pathologe im Labor aufgrund der Gewebeproben auch noch, wie aggressiv der Tumor ist (Gradient) auch dies hat einen Einfluss auf die weitere Behandlungsplanung. Aktuell wird jeder Darmkrebs entsprechend dieser Klassifikationen laut Leitlinie wie folgend beschrieben (34):

TNM-Klassifikation

Bei der TNM-Klassifikation stehen das T für Tumor (invasionstiefe des Tumors), das N für Lymphknoten (Lateinisch: Nodus, Sind regionäre Lymphknoten befallen oder nicht?) und das M für Metastasen (Hat der Tumor gestreunt, oder nicht?). Diese Basis-Buchstaben werden mit Zahlen kombiniert, um den Tumor eindeutig beschreiben zu können.

Wie wird das gelesen?

T1N0M0 = Die Beschreibung einer Darmkrebserkrankung mit dieser Buchstabnen-Zahlen-Kombination bedeutet:

  • Der Darmkrebs beschränkt sich sich nur auf die Schleimhaut des Darms (T1)
  • Es sind keine Lymphknoten befallen (N0) und
  • es lassen sich auch keine Tochtergeschwülste (Fernmetastasen) nachweisen (M0).

Ergänzend wird unterschieden zwischen einem klinischen TNM (= cTNM) vor Beginn der Therapie sowie dem pTNM nach der Operation (= postoperative histopathologische TNM-Klassifikation auf der Basis der histologischen Untersuchungen).

UICC-Klassifikation

Die TNM-Klassifikation gibt es für alle Tumorarten. Aus den Angaben der TNM-Klassifikation kann beim Darmkrebs auch noch eine Stadieneinteilung nach UICC-Stadien (UICC: Union Internationale contre le Cancer = Internationale Vereinigung gegen Krebs) vorgenommen werden. Diese Stadieneinteilung basiert auf statistischen Untersuchungen und erlaubt prognostische Aussagen hinsichtlich der Erkrankung zu treffen. Die Einteilung der Tumorerkrankung in ein entsprechendes UICC-Stadium spielt daher eine wichtige Rolle hinsichtlich der weiterführenden Therapie (34).

Grading

Unter dem Mikroskop untersuchen die Pathologen anhand der Gewebeproben die Eigenschaften der Tumorzelle. Dabei bestimmen sie, wie weit sich die Krebszellen von normaler Dickdarm-Schleimhaut unterscheiden. Diese als Grading bezeichnete Einteilung unterscheidet vier Stufen (34):

Der Differenzierungsgrad hat eine prognostische Bedeutung. Je geringer die Differenzierung des Karzinoms (G4), desto schlechter ist die Prognose einzuschätzen.

Präoperative Diagnostik bei kolorektalem Karzinom (Staging)

Bei diagnostiziertem kolorektalem Karzinom sollten vor einer Operation folgende Untersuchungen entsprechend der unten stehenden Tabelle zur genauen Beurteilung der Ausbreitung des Karzinoms durchgeführt werden.

Besteht der Verdacht, dass der Dick- oder Enddarmkrebs gestreut hat oder in Nachbarorgane und / oder umgebende Strukturen eingewachsen ist (Infiltration), sollte eine Computertomographie (CT) des Abdomens (Bauches) und Beckens bzw. im Falle des Verdachtes auf Streuung des Tumors in die Lunge ein CT des Thorax (Brustkorb) durchgeführt werden.

Für Ihre individuell richtige Behandlung ist es wichtig, den genauen „Steckbrief“ Ihrer Erkrankung zu definieren. Dazu gehören sowohl die Informationen darüber, zu welchem Zelltyp der Krebs gehört, wie bösartig er ist, wie schnell er wächst, ob er bereits die Organgrenzen überschritten oder sich sogar im Körper ausgebreitet hat. Erst wenn Ihre behandelnden Ärzt diese Einzelheiten genau kennen, können sie eine Behandlung zusammenstellen, die für Sie und den Verlauf Ihrer Erkrankung maßgeschneidert ist.



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenzen:
(34) Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Darmkrebs im frühen Stadium. Berlin, Stand: Juli 2014.
(35) Dobroschke J et al.: Kolorektales Karzinom. Gelb-grüne Reihe Nr. 29 der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. Zwickau, 2013.
(36) Deutsche Krebshilfe: Darmkrebs. Die blauen Ratgeber Nr. 06. Bonn, 2018.

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